Die außergewöhnliche 3. Liga – Fluch oder Segen?

In der laufenden Saison habe ich hin und wieder für liga3-online.de, dem größten Portal zur 3. Liga, geschrieben. Da ich die 3. Liga sehr spannend finde, widme ich ihr einen Blog-Artikel. Seit der Saison 2008/2009 existiert die eingleisige 3. Liga, die sich als Profiliga im Laufe der Jahre stark weiter entwickelt hat.

Das liegt unter anderem auch daran, dass immer mehr namhafte Vereine aus der 2. Bundesliga abgestiegen sind. In der laufenden Saison spielen unter anderem Dynamo Dresden, Energie Cottbus, Hansa Rostock, Erzgebirge Aue, VfL Osnabrück, Preußen Münster, Fortuna Köln und die Stuttgarter Kickers in der 3. Liga. Bereits nach dem 14. Spieltag ist ein neuer Zuschauerrekord aufgestellt worden, indem die Marke von einer Millionen Stadionbesucher erreicht wurde.

Als Beobachter sehe ich einen besonderen Reiz in der 3. Liga, dass jedes Jahr existenziell wichtige Entscheidungen fallen. Das betrifft vor allem die Vereine und die Spieler, für die diese Ausgangslage allerdings ein hoher Druck bedeutet. Viele Vereine können es sich finanziell nicht leisten langfristig in der 3. Liga zu spielen und müssen je nach Situation entweder kurzfristig oder mittelfristig in die 2. Bundesliga aufsteigen,

Die Unterschiede zwischen der 2. Bundesliga und der 3. Liga

Das Beispiel eines Zweitliga-Abstiegs verdeutlicht die Situation: Während die Vereine der 2. Bundesliga durchschnittlich rund sechs Millionen Euro durch die TV-Vermarktung einnehmen, erhält jeder Drittligist lediglich 753.000 Euro. Die Vereine, die aus der 2. Bundesliga absteigen, müssen den gewohnten Kostenapparat schnellstmöglich abbauen, um die neuen Rahmenbedingungen der 3. Liga zu stemmen. Neben den niedrigeren Fernseheinnahmen engagieren sich im Regelfall auch Sponsoren vergleichsweise weniger stark. Der VfR Aalen stand nach dem Zweitliga-Abstieg kurz vor der Insolvenz, weil die Finanzierung unsicher war. Erst auf den letzten Metern konnte die Lizenz für die 3. Liga doch noch erreicht werden.

Vereine wie Alemannia Aachen oder Kickers Offenbach haben die 3. Liga finanziell nicht überlebt, mussten Insolvenz anmelden und in die viertklassige Regionalliga absteigen.

Werden zukünftig alle Spiele der 3. Liga im Fernsehen ausgestrahlt?

Sportlich ist die 3. Liga höchst attraktiv. Der Aufstiegs- und der Abstiegskampf sind Jahr für Jahr unglaublich spannend und sorgen für hohe Einschaltquoten bei den Öffentlich-Rechtlichen, die viele Spiele in den Dritten Programmen übertragen. Mittlerweile wird sogar darüber spekuliert, dass Pay-TV-Anbieter wie sky oder Telekom Interesse an den Rechten der 3. Liga besitzen. Diese könnten allerdings erst im Jahr 2018 erworben werden, da der TV-Vertrag mit der ARD zu diesem Zeitpunkt ausläuft. Für die gesamte Liga stellt dies eine große Chance dar, dass zukünftig alle Spiele live übertragen und höhere TV-Einnahmen für die Vereine generiert werden.

Wie attraktiv ist die 3. Liga für Spieler?

Für die Spieler greift konsequenterweise eine vergleichbare Ausgangsposition wie für die Vereine. In der Regel sind die Spieler der 3. Liga Profis und bestreiten damit ihren Lebensunterhalt. Hierbei gibt es allerdings ein großes Gefälle. Viele Spieler erhalten ein gutes vierstelliges Monatsgehalt, manche sogar ein Fünfstelliges und andere verdienen gerade mal im kleineren vierstelligen Bereich.

Mit der finanziell klammen SpVgg Unterhaching gab es in der vergangenen Saison sogar einen Drittligisten, bei dem einige Nachwuchsspieler lediglich ein monatliches Grundgehalt von 400€ bestritten. Präsident Manfed Schwabl argumentierte, dass die jungen Spieler dafür eine perfekte Plattform erhalten, um sich zu präsentieren und für höhere Aufgaben zu empfehlen. „Sie müssen sich ihre Sporen im wahrsten Sinne des Wortes erst mal verdienen“, sagte Schwabl.

Ein Spieler, der in seiner gesamten Laufbahn in der 3. Liga spielt, kann nach der Karriere nicht sorgenfrei leben. Daher streben auch die Spieler den persönlichen Aufstieg in die 1. oder 2. Bundesliga an. Einerseits ist der Weg von der 3. Liga ausgehend nicht mehr weit, doch andererseits besteht auch die Gefahr in den Amateurfußball abzustürzen, wenn Leistungen ausbleiben oder Verletzungen eintreten.

Wer hat das Sprungbrett der 3. Liga erfolgreich genutzt?

Andre Hahn spielte in der 3. Liga und wechselte von Kickers Offenbach zum FC Augsburg in die 1. Bundesliga. Mittlerweile läuft der Offensiv-Akteur für Borussia Mönchengladbach in der Champions League auf. Zudem spielten Max Kruse, Thomas Müller, Antonio Rüdiger, Kevin Kampl, Hakan Calhanoglu, Simon Zoller und Florian Niederlechner allesamt in der 3. Liga, bevor der große Sprung gelang.

Risiko 3. Liga – Welche Gefahren gibt es für Spieler?

Dagegen konnten Spieler wie Christopher Kullmann (Oberhausen, Bielefeld), Thiemo-Jerome Kialka (Regensburg, Fortuna Köln), Dennis Schmidt (Osnabrück, Darmstadt 98) oder Sascha Marquet (Aachen, Fortuna Köln) nicht nachhaltig auf sich aufmerksam machen, was den sportlichen Abstieg oder auch die Vereinslosigkeit zur Folge hatte. Die genannten Spieler sind lediglich Beispiele – die Liste ist natürlich länger.

Wer in der 3. Liga längerfristig verletzt ist wie zum Beispiel Sascha Bigalke (zuletzt Unterhaching) oder Dennis Riemer (zuletzt Bielefeld) befindet sich nach Vertragsende in einer schwierigen Situation. Aufgrund der Drucksituation, der die Vereine der 3. Liga ausgesetzt sind, müssen Spieler-Transfers sitzen. Wer auf Anhieb keinen neuen Verein findet, muss einen guten Karriere-Plan verfolgen. Ein Neuanfang in der Regionalliga birgt das Risiko nie wieder in den Profifußball zurückzukehren. Ein Teufelskreis, der gut überlegt sein muss, während die Uhr tickt.

Wie ist die sportliche Qualität der 3. Liga einzuschätzen?

Durch die spannende Ausgangsposition in der 3. Liga geht es jede Woche ums Eingemachte, was die sportliche Qualität erhöht. Daher ist es kein Zufall, dass Darmstadt 98 nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga auch der Durchmarsch in die 1. Bundesliga gelungen ist. Auch der SV Sandhausen und der 1. FC Heidenheim haben sich in der 2. Bundesliga längst etabliert.